Übersetzung von Leslie Cross: Veganism Defined, in The Vegetarian World Forum Vol. 5 No. 1 (1951)

Jüngst hat die Vegane Gesellschaft ihre überarbeiteten und erweiterten Leitlinien verabschiedet und darin unter Anderem das Ziel der Bewegung präzisiert.

Die Ziele der Gesellschaft und die Bedeutung des Wortes „Veganismus“, welche bisweilen Gegenstand von Diskussion und persönlicher Vorliebe waren, werden hiermit wie folgt definiert:

Das Ziel der Gesellschaft ist das Beenden der Ausbeutung von Tieren durch Menschen; Das Wort Veganismus meint die Doktrin, dass Menschen leben sollten, ohne Tiere auszubeuten.

Die Gesellschaft gründet sich zur der Verfolgung des Ziels, jede Nutzung von Tieren für die Nahrungsmittelerzeugung, als Waren, zur Arbeit, zur Vivisektion und für alle anderen Zwecke, bei denen tierliches Leben durch Menschen ausgebeutet wird, zu beenden.

Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft ist allen offen, die dieses Ziel teilen und sich bereit erklären dieses Ideal so weit selbst zu leben, wie es die persönlichen Umstände ermöglichen. Partner der Gesellschaft teilen diese Bereitschaft nicht notwendigerweise, erklären sich aber mit dem Ziel einverstanden. Die Türe steht damit weit geöffnet und die Gesellschaft heißt alle willkommen, die sich im Stande fühlen, sie zu unterstützen. Ausrichtung und Führung der Gesellschaft obliegen aber ihren Mitgliedern.

Diese Entwicklung macht den Veganismus einzigartig unter den Bewegungen des Tierschutzes, denn er hat etwas als ein Ganzes herauskristallisiert und nicht, wie bei allen anderen Bewegungen, als eine Abstraktion: Während jede andere Gruppe sich mit einem Segment beschäftigt – und daher bei pragmatischen anstelle von prinzipiellen Fragestellungen verharrt – ist der Veganismus selbst ein Prinzip, aus dem heraus sich Haltungen gegenüber den Praktiken logisch ableiten lassen.

Wendet man beispielsweise das vegane Prinzip auf den Bereich der Ernährung an, wird klar, weshalb eine gute Ernährung eine Vegetarische Ernährung im striktesten Sinne sein muss und weshalb diese keinerlei tierlichen Erzeugnisse enthalten kann. Man kann aus vielfältigen Gründen vegetarisch werden, wie etwa humanitäre Gründe, Gründe der Gesundheit oder schlicht das Vorziehen dieser Diät als eine kulinarische Präferenz. Das Prinzip hinter dieser Entscheidung ist dem eigenen Gefühl überlassen und variiert entsprechend. Der Veganismus jehdoch ist ein Prinzip – Nämlich dass Menschen kein Recht dazu haben, andere Kreaturen für die eigenen Zwecke auszubeuten – und schließt diese Möglichkeiten der Variation aus. Eine vegane Ernährung speist sich daher ausschließlich aus Früchten, Nüssen, Gemüse, Samen und anderen reichhaltigen nicht-Tierprodukten. Sie schließt Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier, Honig, Tiermilch und deren Erzeugnisse aus.

In einer veganen Welt würden die Kreaturen in die Balance und Gesundheit der Natur reintegriert werden. Ein großer historischer Fehler, dessen Effekt auf die Evolution gewaltig gewesen sein muss, würde korrigiert werden. Die Vorstellung, dass die Mitgeschöpfe der Menschen von diesem für die eignenen Interessen benutzt werden könnten, wäre dem menschlichen Denken bis hin zur Unvorstellbarkeit fremd. In diesem Sinne geht es dem Veganismus auch nicht um den Schutz der Kreaturen als vielmehr um deren Befreiung, sowie um die Befreiung des Geistes und der Herzen der Menschen; Es geht nicht darum, die gegenwärtige Situation erträglich[er] für die Kreaturen sowie für den Geist und die Herzen der Menschen zu machen, sondern um ein kompromissloses Erkennen der gegenwärtigen Beziehung als eine Beziehung, wie zwischen Herren und Sklaven. Diese muss abgeschafft werden, bevor irgend etwas besseres und edleres gestaltet werden kann.

Der Veganismus ist die wahrhafte Einsicht, dass dort, wo Liebe ist, für die Ausbeutung kein Raum mehr bleibt. Er steht in einer historischen Kontinuität mit der Bewegung, die menschliche Sklaven befreit hat. Wo der Veganismus umgesetzt würde, würde alles fundamental Falsche, das den Tieren von Menschen angetan wird, automatisch verschwinden. Das Herzstück des Veganismus ist die heilende Kraft des Mitgefühls als der höchste Ausdruck von Liebe, zu der Menschen fähig sind. Denn diese[s] ist ein Geben ohne die Erwartung eines Bekommens. Und nichtsdestotrotz wäre der Mehrwert für die Menschen unermesslich, denn diese würden sich von vielen Zwängen ihrer niederen Natur befreien.